Sagittarius (lat.) Schütze Abk. Sgr

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Geschichte:
In der griechischen Mythologie stellt dieses Sternbild Cheiron, einen (der) Zentauren, dar. Bei diesen handelte es sich um Fabelwesen, halb Mensch, halb Stier (später Pferd), die ursprünglich vom Helden Ixion abstammten, der die Liebe der Hera erringen wollte. Der eifersüchtige "Götterboss" Zeus entsandte daraufhin eine Wolke namens "Nephele" - auf die sich (in höchster Erregung) Ixion stürzte. Aus dieser Verbindung entstand der erste sog. Ur-Zentaur, ein wildes Wesen, das alle Stuten im Peliongebirge schwängerte und so das Geschlecht der Zentauren hervorbrachte - gewalttätige und ungezügelte Gesellen, die ihre Triebe voll auslebten und doch nie zu befriedigen waren. Eine Ausnahme bildete nun der besagte Cheiron, der im Gegensatz zu seinen Verwandten ein gebildetes, weises und hilfsbereites Wesen und, als Erfinder von Pfeil und Bogen, der erste Schütze war. Meist findet man ihn mit gespanntem Bogen dargestellt, wie er mit seinem Pfeil auf das Herz des Skorpions (s. dort) zielt, der ihm im Tierkreis vorangeht und den Himmelsjäger Orion (s. dort) bedrängt. Als Cheiron aber einmal für seinen Schüler Herakles (Sternbild Herkules, s. dort) vergiftete Pfeile vorbereitete, passiert ihm ein Missgeschick. Ein Pfeil drang in Cheirons Huf und verursachte eine Wunde, die nicht heilen wollte, sodass der Schütze fortan unter ständigen Schmerzen litt. Um von seinen Qualen befreit zu werden, verzichtete er sogar auf seine Unsterblichkeit und nahm für Prometheus den Tod auf sich. Aus Dankbarkeit und zur ewigen Erinnerung an seinen Großmut und seine edle Gesinnung wurde Cheiron schließlich nach seinem Tod unter die Sterne versetzt. - Schon nach der sumerischen Vorstellung war hier "Ner(i)gal", der König des Krieges, in Form eines Wesens mit einem pferdeähnlichen Unterleib, vier Füßen und zwei Schwänzen sowie einem menschlichen Oberkörper (allerdings mit zwei Köpfen, von denen einer nach vorn, einer nach hinten blickte) samt Pfeil und Bogen zu sehen. Das babylonische Volk übernahm dieses Wesen, welches eine Zeitlang sogar die Stadtgottheit "Marduk" repräsentiert haben soll. Nach hinduistischem Glauben handelt es sich um einen Reiter mit Pferd, später wurde ein indischer Elefant mit Stoßzähnen daraus. Nach der ägyptischen Vorstellung war es wiederum ein Bogenschütze, halb Mensch, halb Ross, was sich auch in anderen Kulturen wiederfand: der persischen ("Kaman"), türkischen ("Yai"), syrischen ("Keshta") und hebräischen ("Kesheth") - allesamt Bezeichnungen für "Bogenwaffe". Die römische Bezeichnung "Semivir", der "halbe Mann", deutet auf den Minotaurus hin. Der arabische Kulturkreis stellte sich im westlichen Teil des Sternbildes einen weggehenden ("Al Naam al Warid") und im östlichen einen zurückkehrenden Strauß ("Al Naam al Sadirah") vor, der die Milchstraße durchwatet. Im chinesischen Tierkreis sah man hier einen Tiger, der christliche Sternbilderhimmel ersetzte den Schützen durch den Apostel Matthäus, während man auch die Bezeichnung "milkdipper" für "Milchschöpfer" bzw. - noch heute im Amerikanischen - "teapot" für "Teekessel" findet. - Abb. 1

Lage/Sichtbarkeit:
Das Sternbild befindet sich rund 30° südlich des Himmelsäquators bei rund 19h Rektaszension, sodass es in unseren Breiten im Sommer abends sehr tief über dem Südhorizont gesehen werden kann. Als Tierkreissternbild bekommt es gelegentlich Besuch von Planeten, dem Mond und - alljährlich im Dezember/Januar - der Sonne. Nachbarsternbilder sind (nördlich, dann im Uhrzeigersinn): Adler, Schild, Schlange, Schlangenträger, Skorpion, Südliche Krone, Teleskop, Mikroskop und Steinbock. Auf Grund der extrem südlichen Position des Sternbildes und des Mangels an hellen (Orientierungs-) Sternen können die zahlreichen Objekte nur schwerlich ausgemacht werden.


helle Sterne:
(Fehlanzeige)

sonstige Objekte:
► Der offene Sternhaufen M 18 ist 7,0m hell und 6 000 Lichtjahre (LJ) von uns entfernt.
► Der offene Sternhaufen M 21 (3 000 LJ) leuchtet mit 5,9. Größe noch ein wenig heller.
► Der offene Sternhaufen M 23 (2 200 LJ) bedeckt mit 150 Mitgliedern etwa die Fläche des Vollmondes und strahlt mit einer Helligkeit von 5,5m. - Abb. 2
► Der offene Sternhaufen M 24 (10 000 LJ) ist noch ausgedehnter und mit 4,5. Größe lichtstärker als sein Nachbar.
► Beim offenen Sternhaufen M 25 (2 000 LJ) kann man rund 50 Sterne erkennen, die zusammen in der Helligkeit 4,6m leuchten. - Abb. 3
► Der Kugelsternhaufen M 22 (10 000 LJ) erstreckt sich mit 5,1. Größe über einen halben Vollmonddurchmesser. - Abb. 4
► Der Kugelsternhaufen M 28 (20 000 LJ) ist mit 6,9m erheblich lichtschwächer.
► Der Kugelsternhaufen M 75 (58 000 LJ) leuchtet zwar nur mit einer Helligkeit von 8,6m, lässt aber ein helles Zentrum erkennen.
► Beim wunderschönen diffusen Nebel M 8 (6 500 LJ) wird ein verwaschener Fleck der 6. Größe von einer dunklen Struktur zerteilt, die ihm auf Grund ihres Aussehens den Namen "Lagunennebel" verliehen hat. - Abb. 5
► Der diffuse Nebel M 17 (5 000 LJ) wird wegen seiner Form "Omeganebel" bezeichnet und leuchtet in der Helligkeit 7,0m. - Abb. 6
► Beim nur 7,5m hellen diffusen Nebel M 20 (2 200 LJ) erkennt man auf Fotos drei Teile, weshalb man ihn auch "Trifidnebel" nennt. - Abb. 7

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