Scorpius (lat.) Skorpion Abk. Sco

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Geschichte:
Der klassischen griechischen Mythologie zufolge jagte einst Orion (s. dort) mit Artemis auf der Insel Kreta und prahlte mit seinen Jagderfolgen. Die Erdmutter Gaia wollte ihn für seine Angeberei bestrafen und ließ aus der Unterwelt einen Skorpion emporsteigen, der Orion stach und damit tötete. Die irdische Fauna war somit von dem gefährlichen Jäger befreit; beide wurden unter die Sterne versetzt. Allerdings flieht Orion fortan stets vor dem Skorpion. Wenn letzterer aufgeht, so verschwindet Orion unter dem Horizont; nie kann man beide gleichzeitig am Sternenhimmel erblicken. Der Skorpion ist darüber hinaus schuld am Absturz des Phaeton, des Sohnes des Sonnengottes Helios. Als Phaeton auf dringendes Bitten für einen Tag den Sonnenwagen mit den vier feurigen Rossen selbst lenken durfte, erschrak er beim Anblick des Skorpions so sehr, dass er die Zügel schleifen ließ. Der Sonnenwagen geriet außer Kontrolle, und Phaeton stürzte kopfüber in den Fluss Eridanus (s. dort). - Auch das ägyptische Volk sah in dieser Konstellation einen Skorpion: Gott Horus, Sohn des Osiris, wurde vom Stich eines Skorpions getötet. Seine Mutter Isis erweckte ihn mit Hilfe von Zauberformeln und mit Unterstützung von Thoth, dem Gott der Weisheit, Wissenschaft und Astronomie, wieder zum Leben. Im Babylonischen war neben dem Skorpion auch die Bezeichnung "Bila-shaziri", Herr der Saat, bzw. "Lugal Tudda", König der Blitze, geläufig. Nach der chinesischen Vorstellung bilden die Sterne einen Drachen, und zwar "Azur", den des Ostens, mit Antares als Stern des Feuers, wobei es sich nicht um ein scheußliches Untier, sondern die Inkarnation der Weisheit und Mächtigkeit handelte. Die australischen Ureinwohner sahen hier ein Mädchen, das mit einem Knaben floh, der sich den schmerzhaften Einweihungsriten entziehen wollte und von zwei Wächtern verfolgt wurde, die je einen Bumerang schleuderten. Das persische Volk erkannte in dem Sternbild "Kazhdum", den Monster-Skorpion, das türkische "Uzun Koirughi", den Langgeschwänzten, das phönizische einen "Skorpion-Mann" (halb Mensch, halb Spinnentier) und schließlich das indianische eine Schlange. - Abb. 1

Lage/Sichtbarkeit:
Das Sternbild befindet sich rund 30° südlich des Himmelsäquators bei rund 17h Rektaszension, sodass es in unseren Breiten im Sommer abends sehr tief über dem Südhorizont gesehen werden kann. Als Tierkreissternbild bekommt es gelegentlich Besuch von Planeten, dem Mond und - alljährlich Ende November für nur sechs Tage - der Sonne. Nachbarsternbilder sind (nördlich, dann im Uhrzeigersinn): Schlangenträger, Waage, Wolf, Winkelmaß (Lineal), Altar, Südliche Krone und Schütze. Auf Grund der extrem südlichen Position des Sternbildes können etliche Objekte nur schwerlich oder - wie der Skorpion-Stachel - überhaupt nicht ausgemacht werden.


helle Sterne:
► Der Hauptstern Antares (griech. für "Gegenmars" wegen seiner kräftigroten Farbe) ist ein 0,96m heller roter Überriese in 520 Lichtjahren (LJ) Entfernung, der als Doppelstern in 2,7" Abstand einen blaugrünen Begleiter der 5,4. Größe hat.
► Bei dem Doppelstern Graffias (griech. für "Krebs"; 815 LJ) stehen die beiden 2,64 und 4,9m hellen Partner am Himmel in einem Abstand von 13,6" auseinander.
► Der Stern Dschubba (für "Stirn") strahlt als Unterriese mit 2,5m in 450 LJ Entfernung.

sonstige Objekte:
► Der Doppelstern η (eta) (knapp östlich von Graffias; 1 550 LJ) erscheint als - mit 41" recht weites - Sternenpaar der 4,4. und 6,6. Größe.
► Beim Vierfachstern ξ (xi) (nördlich von Graffias; 85 LJ) erkennt man zuerst einen 4,16m hellen Stern mit einem 7,3m hellen Partner in 7,6" Distanz, die bei genauerem Hinsehen von einem weiten Paar der 7. und 8. Größe begleitet werden und allesamt um einen gemeinsamen Schwerpunkt kreisen.
► Der nur optische Doppelstern ω(omega)1 und ω(omega)2 (knapp südlich von Graffias; 815 und 55 LJ) wird von zwei unverbundenen Sternen mit den Helligkeiten 3,96m und 4,32m gebildet - der eine blauweiß, der andere ein gelber Riese.
► Der Kugelsternhaufen M 4 (knapp westlich von Antares; 7 000 LJ) ist einer der uns am nächsten gelegenen und kann mit 5,9m als verschwommener Fleck schon in Ferngläsern beobachtet werden. - Abb. 2
► Der Kugelsternhaufen M 80 (genau zwischen Antares und Graffias; 30 000 LJ) ist dagegen mit 7,2. Größe bedeutend schwieriger zu erkennen. - Abb. 3

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