Orion (lat.) Orion Abk. Ori

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Geschichte:
Laut griechischer Mythologie ist die Herkunft des Orion (im wahrsten Wortsinne) eigenartig, denn er hatte drei Väter: Bei König Hyrieus von Bootien waren einst die drei höchsten Götter, nämlich Zeus, Poseidon und Ares, zu Gast. Für die gute Bewirtung wollten sie sich Hyrieus gegenüber erkenntlich zeigen und forderten ihn auf, einen Wunsch zu äußern. Der bis dahin kinderlos gebliebene Hyrieus überlegte und bat schließlich, ihm einen Sohn zu schenken. Die Götter sagten die Erfüllung dieses Wunsches zu und spritzen gemeinsam ihren Samen in einen Beutel aus Stierhaut, den Hyrieus auf ihr Geheiß in der Erde vergrub. Nach zehn Monaten gebar die Erdgöttin Gaia einen starken Knaben, der von Hyrieus Orion getauft wurde. Orion wuchs zu einem wunderschönen, riesigen Mann heran, der als unermüdlicher Jäger das Land durchstreifte. Seine göttliche Abstammung zeigte sich unter anderem in seiner Fähigkeit, über die Wasseroberfläche zu schreiten, ohne in den Fluten zu versinken. Diese Eigenschaft hatte ihm Poseidon, Gott des Meeres, verliehen. Auch trug er stets eine erzene Keule bei sich, die unzerbrechlich war. Doch Orion war auf seinen Streifzügen nicht nur hinter dem Wild, sondern auch hinter schönen Mädchen her. So stellte er auch den Plejaden nach, den sieben Töchtern des Atlas, die aber vor ihm aus Angst vor seiner Größe flohen. Zeus versetzte sie an den Himmel, wo sie noch heute als Sternhaufen im Sternbild Stier ewig vor Orion herlaufen, ohne dass sie der Himmelsjäger je einholen kann. Doch eines Tages verliebte sich die rosenfingrige Göttin der Morgenröte, Eos, in den Riesen Orion und entführte ihn. Dies missfiel wiederum Artemis, Göttin der Jungfräulichkeit und der Jagd. Als Eos nackt am Meeresstrand badete, erkannte Artemis, dass Eos keine Jungfrau mehr sein konnte. Wütend schoss Artemis ihre Pfeile auf Orion ab, um ihn zu vertreiben - mit dem Erfolg, dass sie mit ihm zusammengeführt wurde. Auf der Insel Chios gingen beide auf die Jagd, wobei Orion jedoch mehr an Artemis als an wilden Tieren interessiert war und zudringlich wurde. Die Götter waren erbost über den Frevel, dass ein Sterblicher einer Göttin wie Artemis die Jungfräulichkeit rauben wollte. Hades, Herrscher der Unterwelt, schickte aus der Unterwelt einen Skorpion (s. dort), der Orion in den rechten Fuß stach. Das Gift wirkte schnell, und Orion sank tot zu Boden. Da nahte Asklepios, Gott der Heilkunst, um Orion wieder zum Leben zu erwecken. Hades wollte sich aber seinen neuen Schatten nicht rauben lassen und beklagte sich bei seinem Bruder Zeus. Dieser schleuderte einen Blitz gen Asklepios, der ihn tödlich traf. Zur ewigen Erinnerung versetzte Zeus alle Beteiligten unter die Sterne. Asklepios wird zum Sternbild Schlangenträger (s. dort), das aufgeht, wenn Orion die Himmelsbühne verlässt. So kann Asklepios nie mehr Orion erreichen. Das gleiche gilt für den Skorpion, der am Sommerhimmel steht, während Orion im Winter abends im Süden zu finden ist. - In vielen Sprachen ist für das Sternbild die Bezeichnung "Riese" zu finden: in der syrischen ("Gabbara"), der arabischen ("Al Jabbar"), der römischen ("Gigas"; auch "Venator" für "Jäger") und der jüdischen ("Gibbor"; auch "Nimrod" für "Jäger"). Im ägyptischen Buch des Todes war Orion Osiris, der Gott des Getreides bzw. der Landwirtschaft, nachdem er zuvor mit dem Gott Horus, der in einem Kahn fährt, identifiziert worden war. Der christliche Sternenhimmel sieht hier ebenfalls einen Mann, verkörpert durch den heiligen Joseph, während der hinduistische eine Bühne (des Theaters) erkennt ("Praja-pati"). Nach chinesischer Vorstellung handelt es sich um den erhabenen und klugen Heerführer "Tsan" oder auch einen Weißen Tiger, nach indianischer schließlich um ein "abgehauenes Bein". - Abb. 1

Lage/Sichtbarkeit:
Das markante Sternbild in Form eines aufrecht stehenden Bogenschützen befindet sich mit den drei so genannten "Gürtelsternen" fast genau auf dem Himmelsäquator bei rund 6h Rektaszension, sodass es in unseren Breiten im Winter abends halbhoch über dem Südhorizont gesehen werden kann. Nachbarsternbilder sind (nördlich, dann im Uhrzeigersinn): Stier, (Fluss) Eridanus, Hase, Einhorn und Zwillinge.


helle Sterne:
► Der halbregelmäßig veränderliche Hauptstern Beteigeuze (arab. für "Schulter") ist zwischen 0,5 und 1,3m hell und im Maximum zehnthellster Stern am Firmament; die Ausmaße dieses roten Überriesen in 350 Lichtjahren (LJ) Entfernung pulsieren zwischen 300 und 400 Sonnen-Durchmessern.
► Der Stern Rigel (arab. für "Fuß"; 800 LJ) leuchtet mit 0,14m sogar noch etwas stärker und ist damit als blauweißer Überriese siebthellster Stern am irdischen Himmel.
► Der andere "Schulter"-Stern Bellatrix (lat. für "Kriegerin"; 360 LJ) strahlt mit 1,64. Größe gleichsam in blauweißem Licht.
► Bei dem ebenfalls blauweiß gefärbten Doppelstern Mintaka (westlichster Gürtelstern, auf dem Himmelsäquator gelegen; 2 350 LJ) erkennt man schon im Fernglas neben dem 2,23 hellen Hauptstern einen Begleiter der 7. Größe.
► Der Doppelstern Alnitak (arab. für "Gürtel"; 1 100 LJ) besteht aus einem engen Paar mit den Helligkeiten 1,77 und 4m.
► Auch der Doppelstern Alnilam (mittlerer Gürtelstern; 1 200 LJ) ist ein schwer zu trennendes Paar von Sternen 4. und 5. Größe.

sonstige Objekte:
► Der Doppelstern ι (iota) (südlich von Alnilam; 1 860 LJ) setzt sich aus einem 2,76 und einem 6,9m hellen Stern zusammen, die mit 11,3" bereits in kleinen Teleskopen getrennt werden können.
► Bei dem Doppelstern λ (lambda) (nordwestlich von Beteigeuze; 1 800 LJ) wird der 3,39m helle Hauptstern in nur 4,4" von einem Partner der 5,5. Größe begleitet.
► Der Vierfachstern θ (theta) (südlich von Alnilam) stellt das bekannte Trapez inmitten des Orionnebels (s. u.) dar, welches von vier Sternen der 5. bis 8. Größe gebildet wird.
► Beim Fünffachstern σ (sigma) (knapp südwestlich von Alnitak; 1 800 LJ) tauchen im Fernglas neben einem blauweißen, 3,73m hellen Stern zunächst zwei Begleiter der Größe 7 und in kleinen Teleskopen zwei weitere Trabanten 7. und 10. Größe auf, wodurch das Ganze wie ein Planet mit vier Satelliten aussieht.
► Der offene Sternhaufen NGC 1981 (südlich von Alnilam) besteht aus 10 Sternen, die am besten im Fernglas zu sehen sind.
► Die diffusen Nebel M 42 und M 43 (südlich von Alnilam; 1 600 LJ) bilden gemeinsam den berühmten "Orionnebel", der visuell in zwei 4,0 und 7m helle Teile zu zerfallen scheint, sich in größeren Teleskopen aber als eine einzige orange-rötliche Wolke mit einem mittigen dunklen Fleck sowie komplexen Wirbeln und Windungen offenbart, deren Gas vom Stern θ (theta) (s. o.) zum Leuchten angeregt wird und am Himmel etwa den doppelten Vollmonddurchmesser einnimmt. - Abb. 2
► Der Reflexionsnebel M 78 (nordwestlich von Alnitak; 1 600 LJ) ist mit 8. Größe eher unspektakulär.
► Auch bei dem äußerst schwierig zu beobachtenden Dunkelnebel "Pferdekopfnebel" (knapp südlich von Alnitak) befindet sich eine Wolke praktisch undurchlässigen Staubes in Gestalt eines Schachspiel-Springers vor dem diffusen Nebel IC 434. - Abb. 3

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