Ophiuchus (lat.) Schlangenträger Abk. Oph

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Geschichte:
Nach der griechischen Mythologie heiratete einst Apollon die wunderschöne Koronis und führte mit ihr ein Leben in Harmonie. Als Apollon überraschend zurück zum Olymp zu einer Götterversammlung gerufen wurde, beauftragte er vorsichtshalber einen weißen Raben (s. dort), auf seine Gemahlin aufzupassen. Doch dieser wurde die Zeit lang und als Ischys, ein Sterblicher aus dem Dorf, auftauchte, gab sie sich ihm voll unbefriedigter Leidenschaft hin. Der Rabe, der alles beobachtet hatte, flog eilends zum Olymp, um Apoll von der Schandtat zu berichten. Dieser war außer sich vor Wut und verwandelte zuerst den Vogel in einen pechschwarzen, seither so genannten Unglücksraben, weil er dem Nebenbuhler nicht die Augen aushackte. Anschließend kehrte er voller Zorn zu Koronis zurück und durchbohrte sie mit einem seiner Pfeile bzw. ließ sie (nach einer anderen Version) von seiner Schwester Artemis töten. Koronis wurde auf dem Scheiterhaufen verbrannt, um ihre Schönheit für immer zu vernichten. Doch kaum loderten die Flammen auf, entsann sich Apollon an das werdende Kind, dass Koronis von ihm empfangen hat, entriss es im letzten Moment ihrem Schoß und brachte es zum Schützen (s. dort) Cheiron, dem weisen Zentauren im Pelikon-Gebirge. Dieser erzog den Jungen, der von Apollon Asklepios genannt wurde und sich als gelehriger Schüler erwies. Vor allem lernte er alle nützlichen Heilkräuter kennen, mit denen er sogar Tote zum Leben erwecken konnte, womit er sich als berühmter Arzt einen Namen machte. Hades, Gott der Unterwelt, war allerdings wenig begeistert, dass ihm jemand seine Schatten aus dem Totenreich entriss, und er beschwerte sich beim "Götterboss" Zeus. Der sah durch Asklepios den Weltfrieden bedroht und schleuderte einen seiner berüchtigten Blitze gegen ihn, sodass er tödlich getroffen zu Boden sank. Doch Zeus erinnerte sich auch an die guten Taten des Arztes an seinen Mitmenschen und versetzte ihn zum Dank unter die Sterne, wo man ihn noch heute als Schlangenträger bewundern kann (s. auch Schlange). - Der ägyptischen Kultur haben wir den noch heute gebräuchlichen Äskulapstab als Symbol für die Heilkunde zu verdanken, welches auf den Arzt und Architekt Imhotep (rund 4 900 v. Chr.) zurückgeht. Das babylonische Volk nannte die Figur den "Fürst der Schlangen", im Römischen hieß sie "Serpentarius", ein heute kaum noch gebräuchlicher Ausdruck für den Schlangenträger - während der christliche Sternbilderhimmel den heiligen Benedikt, den Gründer des Benediktinerordens, sah. - Abb. 1

Lage/Sichtbarkeit:
Das Sternbild befindet sich rund 10° südlich des Himmelsäquators bei rund 17h Rektaszension, sodass es in unseren Breiten im Frühsommer abends halbhoch über dem Südhorizont gesehen werden kann. Es teilt als einziges ein anderes Sternbild, nämlich die Schlange (Serpens), in zwei separate Hälften, nämlich den Kopf (Serpens Caput) und den Schwanz der Schlange (Serpens Cauda). Obwohl der Schlangenträger nicht dem Tierkreis angehört, bekommt er als Eklipitiksternbild gelegentlich Besuch von Planeten, dem Mond und - alljährlich im November/Dezember - der Sonne. Nachbarsternbilder sind (nördlich, dann im Uhrzeigersinn): Herkules, Schlange, Skorpion und Schütze.


helle Sterne:
► Der weiße Hauptstern Ras Alhague (arab. für "Kopf des Schlangenträgers") ist 2,08m hell und 60 Lichtjahre (LJ) von uns entfernt.

sonstige Objekte:
► Bei dem Doppelstern 70 (südöstlich von Ras Alhague; 17 LJ) wird ein 4,03m heller orangefarbener Stern von einem engen gelben Partner 6. Größe begleitet.
► Der offene Sternhaufen IC 4665 (südlich von Ras Alhague) besteht aus etwa 20 Mitgliedern der Größe 7 und schwächer und ist schon im Fernglas gut zu beobachten.
► Zu dem 4,9m hellen offene Sternhaufen NGC 6633 (südöstlich von Ras Alhague) gehören mehr als 60 Sterne, die ebenfalls in Feldstechern sichtbar sind.
► Der Kugelsternhaufen M 9 (weit südlich von Ras Alhague; 26 000 LJ) ist mit 9. Größe eher unspektakulär.
► Der Kugelsternhaufen M 10 (südwestlich von Ras Alhague; 14 000 LJ) erscheint mit 6,6m in Ferngläsern als verwaschener Fleck. - Abb. 2
► Für den benachbarten Kugelsternhaufen M 12 (18 000 LJ) gilt das Gleiche, allerdings wirkt er weniger stark konzentriert. - Abb. 3
► Der Kugelsternhaufen M 14 (südlich von Ras Alhague; 33 000 LJ) ist mit 7,6. Helligkeitsgröße wesentlich lichtschwächer.
► Der Kugelsternhaufen M 107 (weit südwestlich von Ras Alhague; 20 000 LJ) erscheint mit nur 8,1. Größe nicht sehr interessant.

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