Draco (lat.) Drache Abk. Dra

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Geschichte:
In der griechischen Mythologie ranken sich zwei Sagen um dieses Sternbild: Gemäß der bekannteren erhielt Hera, die strahlend schöne Gemahlin von "Götterboss" Zeus, von Gaia, der Göttin der Erde, als Hochzeitsgeschenk einen herrlichen Baum, der jedes Jahr drei goldene Äpfel trug. Hera pflanzte den Baum als Symbol ewiger Jugend und Fruchtbarkeit, im Göttergarten, weit jenseits des Okeanos am westlichen Rande der Erde. Dort wohnten aber auch die Hesperiden, die Töchter des Atlas und der Hesperis, die von den goldenen Früchten zu naschen begannen. Daraufhin schickte Hera den Drachen Ladon aus, um von ihm die Äpfel bewachen zu lassen. Aus seinen nie schlafenden Augen sprühten Funken, aus seinem mit spitzen, dolchscharfen Zähnen bestückten Maul spie er Feuer in alle Richtungen; sein Körper war mit Schuppen, hart wie Eisen, bedeckt. König Eurystheus von Mykene hatte nun bekanntlich Herkules (s. dort) als zwölfte und letzte Aufgabe aufgetragen, die goldenen Äpfel von besagtem Baum zu holen. Nach mancherlei Irrfahrten und gefährlichen Abenteuern erreichte der Held schließlich das westliche Ende des Erdkreises, wo er auf Atlas, den Träger des Himmelsgewölbes, traf. Er setzte seinen Weg fort und drang schließlich in den Garten der Hesperiden ein. Von Ferne erkannte er die goldenen, glänzenden Äpfel im Lichte der sinkenden Sonne, doch kaum hatte er sich dem Baum genähert, fiel der Feuer speiende Drache über ihn her. Herkules holte weit aus, und seine Keule landete krachend auf dem Schädel von Ladon, der betäubt zu Boden sank. Wie von Sinnen drosch der Held weiter auf sein Opfer ein, bis dessen letzte Zuckungen aufhörten und das Monster regungslos und tot vor ihm lag. Herkules schnappte sich die drei goldenen Äpfel und verließ den Ort der Tat. Hera versetzte den Drachen zur ewigen Erinnerung unter die Sterne, wo man noch heute erkennt, wie Herkules seinen Fuß auf den Kopf des Drachen setzt. In der anderen Sage handelt es sich um das Ungetüm Python, einer mehr schlangenähnlichen Gestalt, welche in der Gegend um Delphi wohnte und das Heiligtum der Themis bewachte. Sie brachte viel Unheil über das Land, verwüstete Felder, erwürgte Menschen und Tiere und soff Bäche und Flüsse leer, sodass eine schreckliche Dürre die Bewohner heimsuchte. Python wurde letztlich durch Apollon, den meisterhaften Bogenschützen, durch einen einzigen Schuss erlegt und von den Göttern unter die Sterne versetzt, wo er seither den Ekliptikpol bewacht. An der Stelle, wo Python seine Dienste verrichtet hatte, errichtete Apollon sein berühmtes Orakel von Delphi. - Auch in anderen Kulturen findet man die Figur eines Drachen: in der babylonischen hieß er "Tiamat", der ägyptischen "Tanem" (ursprünglich "Hippopotamos" = "Flusspferd") und der arabischen "Al Tinnin" (heute Eltanin, der hellste Stern dieses Bildes). Das persische Volk sah hier "Azhdeha" bzw. "Haschtehar", die Menschen fressende Schlange, während nach hinduistischem Glauben ein Alligator ("Shi-shu-mara") abgebildet sein soll. In der römischen Welt findet man gelegentlich die Namen "Aesculapius" (Äskulap) und "Serpens" (Schlange) und in der chinesischen die Bezeichnung "Tsi Kung" für "Palast des Himmlischen Herrschers" - wohingegen der christliche Sternbilderhimmel wiederum die Schlange erkennt, die Eva im Garten Eden in Versuchung führt. - Abb. 1

Lage/Sichtbarkeit:
Das Sternbild befindet sich rund 70° nördlich des Himmelsäquators bei rund 16h Rektaszension, sodass es in unseren Breiten als Zirkumpolarsternbild stets über dem Horizont steht. Nachbarsternbilder sind (nördlich, dann im Uhrzeigersinn): Kleiner Bär, Giraffe, Großer Bär, Bärenhüter, Herkules, Leier, Schwan und Kepheus.


helle Sterne:
(Fehlanzeige)

sonstige Objekte:
► Der Doppelstern ν (nü) (im Süden des Sternbildes im Kopf des Drachen) ist ein schönes Paar weißer Sterne der Größe 4,9, die 62" auseinander stehen.
► Auch der enge Doppelstern ε (epsilon) (im Nordosten des Sternbildes) erscheint mit einem 4,0m hellen blauen Hauptstern und einem gelben Begleiter 7,1. Größe in nur 3" Distanz sehr reizvoll.
► Bei dem Doppelstern ο (omikron) (im Osten des Sternbildes; 220 Lichtjahre (LJ) entfernt) wird ein 4,66m heller gelber Riese von einem blauen Partner 8. Größe begleitet.
► Der Doppelstern ψ (psi) (im Norden des Sternbildes; 75 LJ) besteht aus zwei gelben Sternen mit Helligkeiten von 4,58 und 5,79m und einem gegenseitigen Abstand von 30,3".
► Für den Doppelstern 16-17 (im Süden des Sternbildes) mit seinem Paar blauweißer Sterne 5. Größe ist bereits ein Fernglas ausreichend.
► Der planetarische Nebel NGC 6543 (in der Mitte des Sternbildes; 3 600 LJ) erscheint in kleinen Teleskopen als unregelmäßig geformte grünliche Scheibe der Helligkeit 8,8m. - Abb. 2

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