Coma Berenices (lat.) Haar der Berenike Abk. Com

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Geschichte:
Nach der griechischen Mythologie war einst im dritten vorchristlichen Jahrhundert Berenike, Gemahlin des Königs Ptolemaios III. - Herrscher über Ägypten -, bekannt für ihre strahlende Schönheit und vor allem ihr blondes, leicht gewelltes Haar, das wie fließendes Gold in den Strahlen der Sonne glänzte. Als ihr Ehemann einmal mehr in den Krieg ziehen und jahrelang dem Hofe fernbleiben musste, begab sich die sehnsüchtige Berenike in ihrer Verzweiflung zum Tempel der Aphrodite, um die Götter anzuflehen, sie mögen die baldige Heimkehr ihres Gemahls erwirken. Nachdem sie zum Dank angeboten hatte, ihren kostbarsten Besitz, ihre goldglänzende Haarpracht, zu opfern, erhielt sie schon bald die Nachricht von der bevorstehenden Rückkehr des Königs. Außer sich vor Freude, eilte Berenike erneut zum Tempel, schnitt sich ihren gesamten Schopf ab und legte ihn wie versprochen auf den Opferaltar. Als ihr Ehemann schließlich den Hof erreichte und seine ihm entgegenkommende, nunmehr kahl geschorene Frau erblickte, erschrak er zunächst fürchterlich. Nachdem diese ihn aber aufgeklärt hatte, suchte der König umgehend den Tempel der Aphrodite auf, um noch einmal einen Blick auf das wunderschöne Haar der Berenike zu werfen, das er so lange vermisst hatte. Doch der Altar war leer und die Haarpracht verschwunden, so dass der König tief betrübt zum Hof zurückkehrte. Als die Sonne schließlich untergegangen war, trat sein Hofastronom Konon an ihn heran und bat ihn, ihm auf die Plattform des höchsten Palastturmes zu folgen. Dort angekommen, wies er mit der Hand auf einen Haufen schwach glitzernder Sterne und sprach: "Erhabener Herrscher, die Götter haben das Dankopfer Berenikes gnädig angenommen. Dort oben, wo die vielen kleinen Sternchen funkeln, ist das Haar der Berenike zu sehen. Die Unsterblichen haben die Haarpracht deiner Frau Berenike zur ewigen Erinnerung an ihre Treue und Liebe unter die Sterne versetzt." Nach einer anderen Version soll es sich um das Haar von Prinzessin Ariadne handeln, die bekanntlich mit einem Knäuel Garn ("Faden der Ariadne") dem Held Theseus half, dem Labyrinth des Minotauros auf Kreta zu entfliehen, woraufhin er ihr seine Nördliche Krone (s. dort) schenkte. - Nach arabischer Vorstellung sind hier ebenfalls Haare, allerdings die eines Löwenschwanzes ("Al Dafirah"), zu sehen, aber auch "Al Huzmat" für "Haufen von Früchten oder Getreidekörnern" sowie "Locke" oder "struppiges Fell von Schafen" sind geläufig. Der christliche Sternenhimmel sah zunächst wiederum Samsons Haupthaar, später wurde es als Geißel, mit der Christus geschlagen wurde, dargestellt, bevor es in der Renaissance schließlich gedeutet wurde als Garbe bzw. Bündel Weizen, welches die Jungfrau als Symbol der Fruchtbarkeit in der Hand hält. - Abb. 1

Lage/Sichtbarkeit:
Das Sternbild befindet sich rund 20° nördlich des Himmelsäquators bei rund 13h Rektaszension, sodass es in unseren Breiten im Frühling abends sehr hoch über dem Südhorizont gesehen werden kann. Nachbarsternbilder sind (nördlich, dann im Uhrzeigersinn): Jagdhunde, Großer Bär, Löwe, Jungfrau und Bärenhüter.


helle Sterne:
► Der weiße Hauptstern Diadem strahlt mit 4,3. Größe in 60 Lichtjahren (LJ) Entfernung und bildet mit den beiden folgenden Partnern ein großes gleichschenkliges Dreieck:
► Der gelbe Stern β (beta) (27 LJ) leuchtet mit 4,3m genauso hell wie Diadem und gleicht als Hauptreihenstern in Größe und Spektraltyp unserer Sonne.
► Bei dem mit 4,4m geringfügig lichtschwächeren Stern γ (gamma) (250 LJ) handelt es sich um einen orangefarbenen Riesen.

sonstige Objekte:
► Beim Doppelstern 24 (westlich von Diadem) bildet ein ebenfalls orange gefärbter Riese der Größe 5 einen wunderschönen Kontrast zu seinem blauweißen Begleiter der 7. Größe.
► Der offene Coma-Sternhaufen (südlich von γ (gamma), der auch dazu zählt; 260 LJ) stellt eine verstreute Gruppe von 30 bis 80 Mitgliedssternen in Form eines "V" dar und ist insgesamt 1,8m hell.
► Der Kugelsternhaufen M 53 (knapp nordöstlich von Diadem; 56 000 LJ) erscheint in kleinen Teleskopen als verschwommener Fleck 7,7. Größe. - Abb. 2
► Die spiralförmige Galaxie M 64 (nordwestlich von Diadem; 28 Mio. LJ) ist auch als 8,5m lichtschwache "Black-Eye-Galaxie" bekannt, in deren Zentrum man bei starker Vergrößerung einen Staubfleck erkennt. - Abb. 3
► Die Galaxien M 85 (9,2m), M 88 (9,5m), M 91 (10,2m), M 98 (10,1m), M 99 (9,8m) und M 100 (9,4m) befinden sich alle westlich von Diadem in einer Entfernung von 60 Mio. LJ.

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